2016/03/03

Bin ich eine leere Hülle?


Ich würde behaupten, ich wäre eine ganz normale Person. Nicht besonders außergewöhnlich, aber auch nicht stinklangweilig. Als ich letztens mit jemanden gesprochen habe, der gerne über tiefgründigere Dinge spricht, fiel mir plötzlich eines auf: Ich bin oberflächlich.

Es ist nicht so, dass ich nur auf das Äußere achte, dass ich Menschen nach ihren Aussehen beurteile und mich nur auf das vorhandene und sichtbare verlasse. Ich fühlte mich wie eine leere Person, eine Fassade, eine einfache Oberfläche mit einem hohlem Innenraum – wie eine Porzellanfigur. Bin ich eine leere Hülle?

Es ist nicht so, dass ich mir keine Gedanken mache. Es ist eher so, dass ich die Dinge so nehme wie sie sind. Die Welt, die Menschen darin und die Entwicklung unserer Gesellschaft – sie sind grausam und schrecklich, aber ich nehme sie so hin wie sie sind. Das ist das, was ich gelernt habe, um weiter leben zu können.

Denn wenn deine Mitschüler dich grausam auslachen und dich ignorieren, wenn du weinst, dann ist es am einfachsten, es einfach hinzunehmen.
Wenn deine Lehrer die Schuld nicht bei deinen Mitschüler sehen, sondern bei deinem Elternhaus, dann ist es am einfachsten, es einfach hinzunehmen.
Und wenn du all dein Mut sammelst um weinend deinem Vater zu beichten, dass du dir Freunde wünschst und er dir dazu nur erwidert, dass das nur vorbei geht, wenn du bessere Noten schreibst, dann ist es am einfachsten, es einfach hinzunehmen.

Bin ich deswegen also leer? Weil ich einfach sagen kann, dass meine Kindheit etwas ist, was ich nicht nochmal wiederholen möchte? Weil ich schon so oft erzählt habe, wie ich aufgewachsen bin, dass ich einfach nicht mehr weiß, wem ich es erzählt habe und wem nicht? Weil ich Witze darüber machen kann, dass mein Vater mich in all meinen verbliebenen Erinnerungen an ihn geschlagen hat? Oder weil ich einfach lache, obwohl ich vor zehn Jahren noch nächtelang deswegen geweint habe?

Nein, ich bin keine bloße Hülle. In mir regt sich sehr wohl etwas, doch es ist hässlich und verkommen. Keiner will es sehen oder sich anhören. Alles, was ich tun kann, ist einen Vorhang davor zu ziehen und denn Rest des Raumes angenehmer gestalten. Das beste daraus zu machen. Nicht mehr deswegen weinen und dafür mehr für andere Dinge weinen. Denn es ist am einfachsten, es einfach hinzunehmen.

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